Schöllkraut
liebt menschliche Siedlungen

Das Schöllkraut (Chelidonium majus L.) ist in ganz Europa anzutreffen und zwar immer in der Nähe von menschlichen Siedlungen, auf Schuttplätzen, an öden Stellen und in Mauerritzen. Grosse Pflanzenbestände in Wäldern oder Wiesen können Hinweise für frühere menschliche Siedlungen sein. So wurden schon alte Mauern aus der Römerzeit wiederentdeckt. 

Die Pflanze leuchtet uns im Frühjahr mit ihren goldgelben Blüten entgegen, und wenn wir ein Blatt abbrechen, quillt rötlichgelber Milchsaft hervor. Gerade dieses Aussehen und der farbige Milchsaft verhalfen der Pflanze aus der Mohngewächsfamilie schon im Altertum zu grossem Ansehen. Dazu kommt ihre heilende Wirkung bei Leber- und Gallenleiden. Johann Gottfried Rademacher, ein bekannter Arzt aus dem 19. Jahrhundert, bereitete aus dem frisch gepressten Saft der ganzen Pflanze eine Tinktur zu, mit der er Gelbsucht in einem Drittel der üblichen Zeit heilte.

Da der Milchsaft des Schöllkrauts in grösseren Mengen giftig ist, sollte man die angegebenen Dosierungen nicht überschreiten. Heutzutage werden Schöllkrautpräparate bei Gallenstauungen und Krämpfen verwendet. Die Störungen treten in der Regel auf der rechten Seite auf. Ausserdem können Fernwirkungen mit Schmerzen unter dem rechten Schulterblatt auftreten, ebenso Gesichtsschmerzen rechts über dem Auge bis zum Ohr ausstrahlend. Der Stuhlgang ist goldgelb gefärbt und eher durchfallartig. Auch der Urin kann goldgelb oder bräunlich sein. Warme Zimmer und warme Getränke verbessern die Beschwerden, wohingegen Kälte, Wetterwechsel und Berührung verschlechtern. Auch die Zunge hat einen gelblichen Belag.

Verwendet wird das Schöllkraut als Milchsaft äusserlich bei Warzen oder zur Sehkraftstärkung auf die Augendeckel gestrichen. Als Frischpflanzentinktur täglich 3  x  8 bis 10 Tropfen für einige Wochen einnehmen oder als Tee mit 1/2 Teelöffel Kraut pro Tasse Wasser (2 x täglich trinken). In der Homöopathie wird Schöllkraut auch zur Behandlung von Entzündungen der Atemorgane sowie bei Rheumatismus und allgemeinen Entzündungen eingesetzt. (Text: Roland Vontobel, Bild: Werner Meier)

www.praxisvontobel.ch

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